Google Maps – Das neue Preismodell

Friedrich Siever

Hey Google, was treibt ihr da?

Die Diskussionen um die neue EU Datenschutz-Verordnung sind noch kaum beendet. Am Ende drehen sich die Regularien der GDPR im Wesentlichen um Nutzerformulare, die darauf abzielen, Inhalte von Benutzern zu erhalten. Letztlich also doch nicht der große Wurf. Aber was hat das mit Google Maps zu tun?

Hintergrund Google Maps APIs

Die Einbindung von Google Maps auf die eigene Webseite ist im einfachsten Fall über Iframe seit je her kostenlos und im Grunde kinderleicht. Jeder Nutzer kann auf Google Maps einen einfachen Einbindungscode für seine Karte erzeugen und mit diesem und ein wenig HTML Kenntnissen eine einfache Karte auf seiner Webseite einbinden.

Etwas anderes sind professionell angepasste Karten. Hierfür stellt Google sogenannte APIs (Programmierschnittstellen) zur Verfügung, die es Programmierern ermöglichen, die Karten hinsichtlich Layout und Funktionalität zu modifizieren und passgenau in professionelle Webseiten einzufügen. Genau hier setzen die Veränderungen der Google Maps Plattform an.

Googles Änderungen ab Juni 2018

Seit dem 11. Juni 2018 gibt es massiven Änderungen im Geschäftsmodell von Google und den Karten. Die neue Google Maps Plattform wurde gestartet. Insgesamt bietet diese 18 individuelle APIs mit 3 Kernprodukten.

  • Maps
  • Routes
  • Places

Die Ankündigungen von Google ließen teilweise befürchten, dass die Änderungen dazu führen würden, dass diverse Maps rund um den Erdball auf Kontaktseiten nicht mehr zugänglich sein würden. Die Ursache hierfür: Google kündigte im Vorfeld auch eine neue Preispolitik an. Ab dem 11. Juni benötigt man einen validen API Key und ein Google Plattform Abrechnungskonto um Zugang zu den Google Maps APIs zu erhalten.

Die neue Bepreisung – wie lange reichen 200 $

Die neue Bepreisung geht mit einem sogenannten pay-as-you-go-billing einher. Hierunter versteht man ein Abrechnungsmodell, was sich an der Nutzung der Services bemisst. Mit anderen Worten: Eine Webseite mit viel Traffic, die eine Google Karte nutzt, zahlt mehr, als eine Webseite mit wenig Traffic. Neben der Aufwandsbepreisung räumt Google den Kunden eine monatliche Gutschrift von 200 $ ein und betont, dass für die Meisten Webseitenbetreiber keine Mehrkosten entstehen. Dieses wird von Google auch mit hervorragenden Beispielen belegt.

Zum Beispiel kann ein Fahrzeughersteller mit seiner 200 $ Gutschrift die zugehörigen Autohändler durch statische Karten auffindbar machen. Insgesamt wären in diesem Beispiel 100.000 Zugriffe auf die Seite gedeckt.

Ein Beispiel für eine komplexere Nutzung gefällig? Eine Immobilienwebseite, die ihren Nutzern dynamische Karten anbietet, um sich die Objekte sowie die Nachbarschaft anzusehen. Hier bringt es die 200 $ Gutschrift noch auf monatlich 28.500 Zugriffe. Erst dann käme eine Rechnung von Google ins Haus.

Was bedeutet das für Webseitenbetreiber und Webagenturen?

Bisher hatten Webagenturen die Möglichkeit ohne Fakturierung von laufenden Kosten schöne und individuelle Maps für die Kunden zu erstellen. Für die Kunden entstand keinerlei administrativer Mehraufwand. Hier zumindest eine gute Nachricht: Bislang sind die alten Karten noch – und entgegen vieler Befürchtungen – funktionsfähig.

Für neue Projekte allerdings wird sich das Prozedere ändern müssen. Denn die 200 $ reichen für Agenturen, die diverse Maps über ihre Abrechnungskonten einrichten nicht lange. Spätestens beim dritten oder vierten kleineren Projekt werden diese aufgezehrt. Also werden die anfallenden Kosten weiterberechnet werden müssen. Bei diesem Vorgehen würde man allerdings die Multiplikation der 200 $ Gutschrift verschenken. Zudem entsteht ein unverhältnismäßig hoher administrativer Aufwand in der Agentur und bei den Kunden. Niemand mag monatliche Rechnungen mit Mini-Beträgen.

Ein wirtschaftlicheres Vorgehen erscheint, dass die Kunden unter Ausnutzung ihrer eigenen 200 $ Gutschrift ein eigenes Maps Abrechnungskonto erstellen. Hiervor jedoch könnten nicht nur Kunden zurückschrecken, die weniger technikaffin sind, sondern auch Kunde, die einen sehr bedachten Umgang mit Ihren Daten haben. Schließlich müssen Zahlungsinformationen bei Google hinterlegt werden. Erste Signale aus dem Markt der KMU (kleinen und mittleren Unternehmen) bestätigen diese Befürchtung.

Fazit

Der Google Map Service ist aus vielen Gründen großartig. Das gilt nach wie vor. In Summe werden für die meisten Webseitenbetreiber durch die Änderungen keine Mehrkosten entstehen. Unter anderem können via JavaScript API hochindividuelle Maps erzeugt werden, die ein echter Hingucker sind. Diese hochwertigen Maps unterstreichen das Design und den Wert einer Webseite. Gerade im regionalen Geschäft wirken sie häufig einladend, einem Unternehmen einen Besuch abzustatten.

Klar ist auch, dass im Internet nicht alles umsonst sein kann. Auch nicht die Leistungen von Branchenriesen. Eine Kostenerstattung für echte erbrachte Leistungen ist sicherlich besser, als finanzielle Mittel durch die kommerzielle Nutzung von Nutzerdaten zu generieren. Spätestens hier ist Geiz nicht immer geil.

Allerdings stellt die Veränderung der Bepreisung wohl für kleinere und mittlere Webseitenbetreiber einen Wettbewerbsnachteil dar. Insbesondere dann, wenn diese vor dem Anlegen eines Google Abrechnungskontos zurückschrecken. Die Einschränkungen sind dann massiv und beziehen sich auf das Design und oder die Funktionalität.